13.02.2012 11:56 von Schwäbische Zeitung
Wie’s wohl wär, wenn i it wär, wer i wär“
Stumpfes Zieh- und Zupfkapelle hat schwäbisch und musikalisch alles im Griff
Meckenbeuren (wie) Vor allem ihr Publikum, das hat sich gebogen vor Lachen am Freitag im Kulturschuppen und begeisternd applaudiert. Es ist schon eine Schau für sich, wenn die „skrupellose Hausmusik“ auf Jubeltour geht, Brochenzell‘s moralische Untiefen an der Bar erkundet oder das Glück von Belami nicht bei der Frau sondern im Kochtopf sucht.
Glanzlichter aus 20 Jahren hatten sie aufgelegt und so manches, das „nimme so ganz nei und noit so ganz guet war“. So haben sie es angekündigt und ihr Licht mächtig unter den Scheffel gestellt. Denn es war alles perfekt, das „Ogäber-Lied“ mit Waschbretteinsatz, das Dreiländerstück, das auf dem Weg aus Schottland in Irland eingefroren ist und mit dem schwülwarmen Anfang im Caprifischersound hier zu neuem Leben erwachte und zum Wettrennen wurde an den Instrumenten. „Do falled Dir schier d’Finger weg“, urteilte dann auch Flex (Michael Flechsler), der Allroundkünstler mit den blonden Locken, der am Schlagzeug genauso begeisterte wie an den Gitarren, den Trommeln oder am Kontrabass.
Dieser jedoch war eigentlich Benny Banano‘s Meisterstück, der aber auch am Kuhlo-Horn, der Melodica oder am Keyboard zu begeistern weiß. Genauso vielseitig und überzeugend waren Manne (Manfred Arold) und Selle (Marcel Hafner), die die Instrumente wechselten wie andere die Klamotten, nur viel viel schneller und ohne dabei aus dem Rhythmus zu geraten. Nicht bei der Anekdote aus dem Zivi-Dasein und auch nicht in der ach so dramatischen Beerdigungskapelle „Rotz und Wasser“, wo sie als Sänger genauso glänzen wie an den Instrumenten. „Sex and drugs and Leberkäs“ war die Devise vor dem Liebeslied an die Gartenliege und dem Weihnachtsgeschenk an die Kollegen und dem großen Tanz mit Angelo Branduardi. Sie „hond au scho mal en richtige Hit ghet“. Den „Belami Sepp“ nämlich, der das Glück nicht bei den Frauen sucht, weil des „zum Kotze isch“, sondern im Kochtopf bei Linse und Spätzle.
Man muss sie auch gesehen haben, man darf sie nicht nur hören, sonst hat man die Hälfte einfach verpasst. Darin waren sich wohl alle Gäste einig und forderten von den brillanten Musikern, Sängern und Entertainern eine Zugabe nach der anderen. Und die bekamen sie. Sie rockten noch einmal die Bühne nicht mit dem Hard-Rock-Cafe, sondern mit „I bin em Schreiner sein Gesell“ und jammerten frei nach „The Lions sleeps tonight“, vom armen „Pimperle des duet so weh“.